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Die Kurbelverkürzung: Zweck und Anwendung

Dass das Radfahren mittlerweile zum Volkssport geworden ist, verwundert nicht. Schließlich gehört diese Sportart, neben dem Schwimmen, zu den gelenkschonendsten überhaupt. So kommt das Fahrrad nicht nur als Verkehrsmittel und Freizeitvehikel zum Einsatz, sondern auch als Trainingsgerät, unter anderem im Rahmen einer Rehabilitation.

In der Regel sind moderne Fahrräder so konstruiert, dass bei richtig eingestellter Sattelhöhe und normaler Tretkurbellänge die Knie bis zu einem Winkel von etwa 120 Grad gestreckt werden. Manchen Menschen ist es jedoch nicht möglich, ihre Knie in diesem Winkel zu strecken bzw. die Beine entsprechend zu beugen. In der Vergangenheit mussten Menschen mit entsprechender Behinderung bzw. Beeinträchtigung oftmals auf das geliebte Fahrrad verzichten.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Pedale mit einer Kurbelverkürzung auszustatten, sodass auch Menschen mit Handicap ihr Fahrrad problemlos und bequem nutzen können. Welche Möglichkeiten dies sind und was du sonst noch über Kurbelarmverkürzungen wissen solltest, erfährst du in diesem Beitrag.

Wer benötigt eine Kurbelverkürzung?

Probleme in den unteren Extremitäten, die das Fahrradfahren beeinträchtigen, können zum Beispiel nach Erkrankungen oder Unfällen auftreten. Auch ich konnte mein Bein nach einer schweren Knieverletzung rund ein Jahr nicht mehr richtig strecken und beugen.

Das Ganze kann sich auf den Knöchelbereich und die Fußmuskulatur beschränken, aber auch den Unterschenkel ab dem Knie oder sogar das gesamte Bein bis zu Hüfte betreffen. Je nach Schwere der Beeinträchtigung muss die Länge der Kurbelarme am Fahrrad angepasst werden, um damit den Radius zu verringern.

Welche Kurbelarmlängen sind üblich?

Kurbelarme können in verschiedenen Längen gekauft werden, um unterschiedlich großen Fahrern und unterschiedlichen Fahrradtypen gerecht zu werden.

Generell wird die Kurbellänge von der Mitte der Pedalachse bis zur Mitte der Tretlagerachse gemessen.

Die marktführenden Hersteller von Fahrradkomponenten bieten in der Regel Kurbellängen für erwachsene Fahrer von 165 mm bis 180 mm Länge in 2,5-Millimeter-Schritten an. Die gängigsten Längen sind 170 mm bis 175 mm.

Einige Spezialhersteller bieten sogar Fahrradkurbeln an, die kürzer als 165 mm und länger als 180 mm sind. Falls solche Spezialkurbelarme für dein Fahrrad nicht verfügbar sind, gibt es trotzdem eine gute Nachrüstlösung!

Verschiedene Arten von Kurbelverkürzungen

Das Prinzip leuchtet ein: Ein kleinerer Radius der Kurbelumdrehung sorgt beim Pedalieren dafür, dass die Beine bei der Kurbelumdrehung mittels Pedale weniger stark gestreckt bzw. gebeugt werden müssen. 

Dadurch ergibt sich eine deutlich geringere Belastung auf die Knie, die Hüft- sowie die Fußgelenke.

Möglich gemacht wird die Verkleinerung des Radius der Kurbelumdrehung durch eine Kurbelarmverkürzung. Die Pedale werden dabei nicht mehr am äußeren Ende der Kurbel befestigt, sondern an einer beliebigen Position auf dem Kurbelarm.

Ist lediglich eine Körperseite bzw. ein Bein betroffen, wird ein kleinerer Radius nur auf einer Seite benötigt. Statt zwei verschieden-lange Kurbeln zu montieren, kann man sich somit eine Kurbelverkürzung zulegen und an der betroffenen Seite nach belieben montieren.

Kurbelarme mit einstellbaren Pedalpositionen

Die einfachste und technisch beste Lösung sind Kurbelarme mit variablen Pedalpositionen.

Diese besitzen auf der Längsseite nicht nur eine einzige Bohrung ganz am äußeren Ende, sondern mehrere Bohrungen auf einer Achse.

So können die Fahrrad-Pedale an der gewünschten Position an die Kurbelarme geschraubt werden, eben weiter außen oder weiter innen.

Meist sind drei bis fünf verschiedene Pedalpositionen möglich.

Der Hauptvorteil dieser Lösung ist, dass die Fahrrad-Pedale ganz normal direkt in die Kurbelarme eingeschraubt werden.

Es geht keine Stabilität verloren, das Rad wird nicht schwerer als ohne dem Verstellmechanismus und es gibt keine zusätzliche Fehlerquelle am Rad.

Allerdings handelt es sich bei solchen Kurbelarmen fast ausnahmslos um Zubehörteile.

Für die Montage müssen die Kurbelarme meist von der Tretnabe abgenommen werden.

Adapter zum Aufstecken

Die wohl technisch einfachste und schnellste zu montierende Lösung sind Adapter zum Aufstecken bzw. Klemmen oder Aufschrauben auf die vorhandenen Kurbelarme.

Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen:

  • Runde Adapter können an einer beliebigen Stelle mit einer Klemmung am Pedalarm befestigt werden. Dazu wird der Adapter vorne und ein Gegenstück hinten aufgesetzt und das Ganze mit zwei Schrauben festgeklemmt. Die Montage ist in wenigen Minuten abgeschlossen, allerdings handelt es sich hierbei nicht unbedingt um die stabilste Lösung. Zudem sind viele Kurbelarme konisch geformt, wodurch sich ein solches System nicht 100-prozentig sicher und stabil montieren lässt.

  • Eine bessere Lösungen stellen Kurbelverkürzer dar, die am Pedalgewinde mit der Kurbel verschraubt werden und sich beidseitig auf der Kurbel abstützen. Durch diese Art der Befestigung können sie nicht verrutschen und sind sehr belastbar. Achte beim Kauf jedenfalls darauf, dass die Teile aus hochfestem Aluminium (= geringes Gewicht) bestehen und die Schrauben aus Edelstahl hergestellt sind.

Achtung: Kurbelarmverkürzer nach den hier dargestellten Systemen eignen sich nur für Alu- oder Stahlkurbeln, nicht aber für Carbonkurbeln. Der Klemmdruck bzw. die seitlichen Gewindestifte, welche für eine exakte Ausrichtung der Kurbelverkürzung notwendig sind, können das empfindliche Carbon beschädigen.

Pedalpendel

Auch das Pedalpendel verkleinert den Pedalradius, hier bleibt jedoch die untere Pedalposition identisch mit der herkömmlichen Kurbellänge. 

So ergibt sich eine maximale Streckung bei gleichzeitig minimaler Beugung, was das Pedalpendel zur idealen Lösung für Menschen macht, bei denen die Beugung eingeschränkt, die Beinstreckung hingegen noch in vollem Umfang möglich ist.

Möglich wird das Ganze durch ein Lager direkt am Befestigungsbolzen, um das sich das Pedal über das Pendel dreht.

Das Pedalpendel kann allein oder in Kombination mit einer der beschriebenen Kurbelverkürzungen verbaut werden.

Fazit

Ob Unfall, Krankheit oder angeborene Behinderung – Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen haben es oft schwer, ein passendes Fahrrad zu finden.

Mit einer Kurbelverkürzung lässt sich fast jedes vorhandene Fahrrad auf die individuellen Bedürfnisse abstimmen. Sie ist vergleichsweise preisgünstig zu haben und schnell montiert. So steht dem Fahrradspaß nichts mehr im Weg!

Hast du eine entsprechende Beeinträchtigung bzw. Erfahrungen mit Kurbelverkürzugen?

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