Erfindung Fahrrad Pedale

Die Erfindung der Fahrrad-Pedale

Zu meinen Spitzenzeiten habe ich knapp 15.000 Kilometer pro Jahr zurückgelegt, was einen Tagesdurchschnitt von 41km ergibt, sofern man die Wintermonate mitrechnet. Wie oft und wie lange trittst du in die Pedale?

Vor Kurzem kam in mir die Frage auf, wer eigentlich das Fahrrad erfunden hat und ob es bereits von Anfang an mit Fahrrad-Pedalen ausgestattet wurde. Dieser Beitrag ist ist im Vergleich zu anderen, die doch sehr spezifisch sind und sich unter anderem mit den buntesten Pin-Pedalen auseinandersetzen, etwas weiter gefasst.

Wer sich lediglich mit den verschiedenen Pedalsystemen auseinandersetzen möchte, ist hier falsch. Hier möchte ich tatsächlich ein wenig ausholen und die Geschichte des Fahrrads und die Geschichte der Fahrrad-Pedale „erzählen“.

Erst viele Jahre nach der Erfindung des ersten Fahrrads (frühes 19. Jahrhundert), der Erfinder war übrigens ein Deutscher, wurde das Fahrrad-Pedal entwickelt. Der Antrieb durch Pedale wiederum, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einem Franzosen ausgetüftelt.

Zuerst das Fahrrad, dann die Pedale

Es ist einleuchtend, dass vor der Erfindung der Fahrrad-Pedale zunächst das Fahrrad hat erfunden werden müssen. Spannend ist in diesem Zusammenhang aber auch die Frage, ob die Fahrrad-Pedale gemeinsam mit dem Fahrrad entwickelt oder sie erst später ausgetüftelt wurden.

Das Fahrrad als einspuriges nicht motorisiertes Fahrzeug wurde im Jahr 1817 der Öffentlichkeit vorgestellt. Bis es so weit kam, hat der Erfinder Karl von Drais, übrigens ein Deutscher, Jahre damit verbracht, dieses neuartige Fahrzeug zu entwickeln.

Das Fahrrad war zu diesem Zeitpunkt kein Fahrrad, wie wir es heute kennen.

Dieses Gefährt war:

  1. als Laufrad konzipiert und hatte daher keine Pedale;
  2. beinahe komplett aus Holz gefertigt;

Somit wurde das Ur-Fahrrad mit Abstoßen durch die Beine angetrieben. Damit die Schuhe, welche zur damaligen Zeit nicht gerade günstig waren, durch den permanenten festen Kontakt mit dem Boden nicht verschleißen, hat der Erfinder zu diesem Zweck auch Metallschutzkappen für die Schuhe entwickelt.

Das Design des ersten Fahrrads, „Draisine“ – vom Namen des Erfinders abgeleitet – genannt, unterscheidet sich im Großen und Ganzen nur wenig von den heutigen, modernen Fahrrädern. Interessant ist jedenfalls, dass bereits damals das Hinterrad festsitzend war und mit einer Bremse zum Stehen gebracht werden konnte. Das Vorderrad und der Lenker waren, ebenso wie heute, fest miteinander verbunden – allerdings konnte das Vorderrad um 360° gedreht werden, was heute, ohne die Bowdenzüge abzureißen, nicht mehr möglich ist.

Erstes Fahrrad der Welt Laufrad Draisine Laufmaschine
Ein fahrrad-pedale.de Biker auf einer Draisine

Karl von Drais verkaufte in den nachfolgenden Jahren mehrere Draisinen, wobei eine etwa 44 Gulden kostete. Eine Gulde um das Jahr 1850 – also gut 35 Jahre später (!) – war so viel wert wie heute 14 Euro. Damit kostete eine Draisine umgerechnet über 600 Euro. Zur damaligen Zeit, war das sehr viel Geld.

Während das Ur-Fahrrad im europäischen Raum Draisine genannt wurde, nannten es die Amerikaner „hobby-horse“. Wirklich spannend ist auch die Tatsache, dass bereits ein Jahr nach der Erfindung schon höhenverstellbare Laufmaschinen verfügbar waren.

Vor allem das Postwesen wurde mit dieser Erfindung revolutioniert. Die Post konnte damit nämlich Strecken, für die sie sonst drei Stunden benötigte nun in nur einer Stunde zurücklegen. 

Das Thema Fahrrad-Pedale war zu diesem Zeitpunkt – um 1820 herum – noch kein Thema.

Die rasche Fortentwicklung des Fahrrads

Der technische Fortschritt ist heute, wie auch damals, unaufhaltsam. Es war natürlich nur eine Frage der Zeit, bis das Fahrrad weiterentwickelt und somit revolutioniert wurde. Genau dies geschah bereits im Jahr 1818, womit ich aber nicht, wie bereits erwähnt, das höhenverstellbare Laufrad meine.

Ein unbekannter französischer Künstler erfand in diesem Jahr das sogenannte „Vélocipèdraisiavaporianna“

Musstest du das Wort auch noch ein zweites Mal lesen, um es zumindest halbwegs korrekt aussprechen zu können? Mir ging es auch so.

Die freie Übersetzung dieses unaussprechlichen Begriffs lautet „dampf-getriebenes Velociped“. Velocipede selbst ist ein französischer Begriff für das Fahrrad und bedeutet übersetzt „Schnellfuß“. In der Schweiz wird das Fahrrad heute noch als „Velo“ bezeichnet.

Vélocipèdraisiavaporianna

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:V%C3%A9locip%C3%A8draisiavaporianna.jpg

Wie du auf der Zeichnung des Künstlers siehst, ist dieses durch Dampf getriebene Velociped mit einem Dampfkessel ausgestattet.

Allerdings blieb es nur bei dieser Zeichnung, da dahinter vielmehr eine Idee als eine Erfindung steckt. 

Der Gedanke, die Laufmaschine mit Dampf zu betreiben, ist der Zeit rund 50 Jahre voraus, da das erste Dampfrad erst Ende der 1860er Jahre erfunden wurde.

Das Vélocipèdraisiavaporianna war 1818 somit noch gar keine tatsächliche Erfindung, sondern nur eine äußerst fortschrittliche Idee.

Der Erfinder der Fahrrad-Pedale

1861 war es dann so weit: Pedale haben ihren Weg zum Fahrrad gefunden. 

In diesem Jahr haben die beiden Franzosen Pierre Lallement und Pierre Michaux am Vorderrad Tretkurbeln und damit gleichsam Fahrrad-Pedale angebracht. Diese waren allerdings noch nicht um die eigene Achse drehbar.

Erst 1863 hat Pierre Lallement Holzspulen an die Wellenschäfte gesteckt, wodurch die Fahrrad-Pedale drehbar wurden. 

Pierre Lallement gilt somit als Erfinder der modernen Fahrrad-Pedale.

Eine weitere Neuheit des 1861 weiterentwickelten Fahrrades, war das verwendete Material. Das Holz wurde von schmiedbarem Eisen verdrängt und der Sattel war gefedert, was den Fahrkomfort deutlich erhöhte.

Erst 1869 wurden diese Neuerungen auf der Weltausstellung Paris 1869 der Öffentlichkeit präsentiert. Der neue Name des Fahrrades lautete „Vélocipède bicycle“, was so viel wie „zweirädriger Schnellfuß“ bedeutet.

Die Weiterentwicklung zum kugelgelagerten Pedal

So, wie sich das Fahrrad im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat, hat sich auch das Fahrrad-Pedal weiterentwickelt. Wie soeben erwähnt, gilt der Franzose Pierre Lallement als Erfinder der Fahrrad-Pedale.

Auf meiner Webseite und in den verschiedensten Beiträgen sieht du, dass sich Fahrrad-Pedale in ihrer Funktion nicht unterscheiden, sehr wohl aber in der Konstruktion des Pedalkörpers.

Daher möchte ich jetzt noch näher ins Detail gehen und ein wenig auf die Weiterentwicklung der Fahrrad-Pedale eingehen, da es, wie du vielleicht schon weißt, unterschiedliche Pedalsysteme, wie etwa Klickpedale, Plattform-Pedale, Pin-Pedale und Klapp-Pedale gibt.

1869 wurden bereits Kugellager, wie man sie heute in den Fahrrad-Pedalen findet, montiert. Damals allerdings noch an der Vorderrad-Achse.

Das gängige, auf gewöhnlichen Straßenrädern verbaute Plattform-Pedal mit seinen Kugellagern und der Gummi-Auftrittsfläche, wurde vermutlich im Jahr 1884 das erste Mal verwendet

Dazu konnte es erst kommen, weil im Jahr 1878 Rollenketten serienweise auf Fahrrädern angebracht wurden, wodurch die Kraftübertragung durch das Pedalieren erheblich effizienter wurde.

Die Erfindung und Nutzung moderner Klickpedale

Kurz nachdem 1878 serienmäßig die Rollenkette vorhanden und Gummiräder auf dem sogenannten Niederrad angebracht waren, wurde aus dem Fahrradfahren keine bloße Nutzung des reinen Fahrens Willen mehr, sondern zum richtigen Radsport.

Der erste Mensch, der die Welt mit dem Fahrrad umrundet haben soll, war der Amerikaner Thomas Stevens, dem dies innerhalb von zwei Jahren von 1884 bis 1886 gelungen sein soll.

Genau in dieser Zeit, nämlich im Jahr 1885, hat Charles Hanson, ebenfalls ein US-Amerikaner, die Klickpedale erfunden und zum Patent angemeldet. Diese Klickpedale konnten, ebenso wie heute, nur mit einem speziellen Fahrrad-Schuh verwendet werden.

Obwohl die Klickpedale bereits seit 1885 offiziell existierten, wurde mit diesem Klicksystem erst genau 100 Jahre später das prestigeträchtigste Radrennen der Welt, die Tour de France, vom Franzosen Bernard Hinault gewonnen.

Klickpedale fuer Rennraeder moderne Klickpedale
Vintage Pedale aus Metall nebeneinander Retro-Pedale

Ein Jahr zuvor, nämlich 1984, brachte die französische Weltmarke LOOK das moderne Klickpedal auf den Markt, damals noch unter der Bezeichnung „pédales automatiques“, was so viel bedeutet wie „automatische Pedale“.

Seitdem entwickeln verschiedene Hersteller – darunter Shimano, Crankbrothers und SpeedPlay – das Klickpedal weiter. Der Hauptfokus liegt jedoch auf der Reduzierung des Pedalgewichts durch Verwendung modernster Materialien wie beispielsweise Titan und Carbon.

Dem Klicksystem entspringend, gibt es mittlerweile auch sogenannte Magnet-Pedale. Das System, dass ein spezieller Fahrrad-Schuh mit einem passenden Pedal verbunden wird, ist dasselbe. Allerdings werden dafür keine mechanischen Schließ- und Öffnungssysteme verwendet. Vielmehr wird sich das System der Kraft der Magneten zunutze gemacht.

Der Vorreiter der modernen Klickpedale

Alfredo Binda, unzweifelhaft einer der erfolgreichsten Radrennfahrer überhaupt, hat 1947 die Fahrrad-Pedale mit Riemen erfunden.

Nach dieser Erfindung, nutzten so gut wie alle Radrennfahrer dieses System, mit Ausnahme derer, die weiterhin auf Hakenpedale setzten. Hakenpedale unterscheiden sich von Riemen-Pedalen dadurch, dass auf dem vorderen Teil des Pedals ein kleiner Metallkäfig montiert ist, in welchen man mit den Schuhen schlüpft und dadurch besseren Halt hat.

Der Vorteil festsitzender Pedale, egal ob durch Riemen-Pedale, Hakenpedal oder Klickpedale, liegt darin, dass die Kraftübertragung ausgereizt wird. Diese Pedalsysteme erlauben es dem Fahrradfahrer, sowohl die Druck- als auch die Zugkraft, welche durch das Pedalieren entsteht voll auszunutzen.

Zu Beginn wurden noch Lederriemen verwendet, später griff man dann auf synthetische Materialien zurück, die widerstandsfähiger, zumindest aber vergleichbar widerstandsfähig waren.

Fahrrad Pedal mit Riemen Alu
Eine moderne Kombination aus Riemen- & Hakenpedal

Um nur noch ein, zwei Worte über Alfredo Binda zu verlieren: Er hat die erste Straßen-Radweltmeisterschaft überhaupt 1927 auf dem Nürburgring für sich entschieden. Außerdem hat er den Giro d’Italia, eines der größten Radrennen neben der Tour de France, satte 5 Mal gewonnen. 

Davon feierte er drei Siege in Serie (1927, 1928 und 1929), was den Veranstalter des Giro d’Italia dazu veranlasste, Binda zu überreden, im Jahr 1930 nicht teilzunehmen. Er befürchtete nämlich, dass die Beliebtheit des Radrennens darunter leiden würde, sollte Alfredo Binda ein viertes Mal in Folge gewinnen würde. 

Binda folgte dieser Bitte, erhielt im Gegenzug dafür die volle Siegerprämie ausbezahlt – guter Deal, oder?

Resümee

Nicht nur das Radfahren selbst macht irrsinnig viel Spaß, auch die geschichtliche Entwicklung dieses Sports macht ihn zu etwas besonderem.

Der geschichtliche Verlauf zeigt, dass die Evolution des Fahrrades und der Fahrrad-Pedale in den Händen eines Deutschen, mehrerer US-Amerikaner und Franzosen lag und es nach wie vor tut, blickt man auf die Marktführer im Pedal-Segment.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich der Fahrrad-Pedal-Markt in den kommenden Jahren bzw. Jahrzehnten weiterentwickeln wird. Vielleicht wird bald die Idee eines bereits bestehenden Pedalsystems neu aufgegriffen, fortentwickelt und der dann verblüfften Öffentlichkeit bekanntgegeben. Wir dürfen also gespannt sein.

Zum Ende möchte ich dir noch einmal alle Stadien der Entwicklung und Erfindung der Fahrrad-Pedale darstellen, um eine bessere Übersicht zu gewähren.

1817

Erfindung des ersten Fahrrads

1817
1818

Fortentwicklung des Fahrrads

1818
1861

Erfindung der ersten Pedale

1861
1863

Erfindung drehbarer Pedale

1863
1869

Erfindung kugelgelagerter Pedale

1869
1878

Verwendung der Rollenkette

1878
1885

Erfindung der ersten Klickpedale

1885
1947

Erfindung der Riemen-Pedale

1947
1984

Revolutionierung der Klickpedale

1984
rennrad rennen mann
Alex
Nach einer schweren Knieverletzung habe ich die Begeisterung für den Rennradsport für mich entdeckt. In der Jugend habe ich an unzähligen Rennen im In- und Ausland teilgenommen. Das richtige Equipment war mir schon immer wichtig. weshalb ich mich schon lange damit beschäftige.

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