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Wie sicher sind Klickpedale?

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Beim ersten Einsatz von Klickpedalen fühlt man sich selbst als sonst erfahrener Radfahrer alles andere als sicher auf dem Bike. Das ist ganz natürlich – auch mir ging es so, als ich das erste Mal auf Pedale mit Klicksystem umgestiegen bin. 

Die feste Verbindung zwischen Fahrrad und Schuh führt zunächst zwangsläufig zu Unsicherheiten. Jeder Nutzer solcher Pedalsysteme kennt sicher die Angst, an einer roten Ampel mit dem Fahrrad umzukippen, weil man den Fuß nicht aus dem Pedal bekommt. Und nicht wenigen passiert genau das bei der ersten Ausfahrt.

Besonders auf dem Rennrad bieten Klickpedale wichtige Vorteile gegenüber gewöhnlichen Fahrrad-Pedalen

Aber wie sicher sind diese Pedale eigentlich? Im folgenden Artikel möchte ich versuchen, mich dieser Frage von einer rationalen und einer subjektiven Richtung aus zu nähern. Denn die objektive Sicherheit von Pedalen bedeutet nicht zwingend, dass man sich auch subjektiv mit ihnen wohl fühlt. Außerdem bekommst du ein paar Tipps von mir, wie du dich auf deinen Klickies sicherer fühlst – insbesondere als Anfänger.

Sicherheitsnormen, die erfüllt werden müssen

Wie für die meisten anderen Fahrzeuge im Verkehr, gelten für Fahrräder und deren Komponenten bestimmte Sicherheitsstandards. 

Diese sind in der ISO 4210 festgelegt. Für Fahrrad-Pedale und die Tretkurbeln gilt im Speziellen die ISO 4210-8. Diese Anordnung regelt, unter welchen Testbedingungen sich ein Fahrradpedal, egal welcher Bauart, beweisen muss und welche Standards es einzuhalten gilt, damit dieses als sicher gilt.

Allerdings ist die Einhaltung derartiger Normen nicht verpflichtend, sondern rein freiwillig. In der Realität werden jedoch die meisten Pedale, die du in Europa kaufen kannst, der ISO 4210-8 entsprechen, überhaupt die Klickpedale von etablierten Herstellern wie LOOK, SpeedPlay, Shimano oder Time.

Das bedeutet: Rein objektiv ist bei Fahrrad-Pedalen, auch bei Klickpedalen, ein recht hoher Sicherheitsstandard gegeben. In Bezug auf die reine Qualität der Verarbeitung und der verwendeten Materialien musst du dir somit kaum Sorgen machen. Unfälle im Zusammenhang mit Fahrrad-Pedalen, die auf mangelhafte Verarbeitung oder Materialfehler zurückzuführen sind, dürften damit selten sein, zumindest, was ich nach meinen Recherchen herausgefunden habe.

Zu beachten ist, dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz rein rechtlich betrachtet (gelbe) Rückstrahler an den Pedalen verpflichtend sind. Diese Bedingung erfüllt so gut wie kein Rennrad-Klickpedal, und auch unter den Mountainbike-Modellen ist es selten der Fall, dass Rückstrahler standardmäßig verbaut sind. 

Eine Ausnahme stellen allenfalls Kombi-Pedale dar, da sie bauartbedingt genug Platz für Rückstrahler bieten. 

Bereits vor einiger Zeit habe ich mich näher mit den rechtlichen Vorschriften für Fahrrad-Pedale beschäftigt und darüber einen ausführlichen Beitrag veröffentlicht. Darin gehe ich unter anderem auf die Frage ein, wieso kein Rennradpedal über einen Rückstrahler verfügt und wo die Unterschiede im DACH-Raum liegen. 

Falls du mehr darüber wissen möchtest, klick einfach auf die obige Beitragsbox zum entsprechenden Bericht!

Die anfänglichen Unsicherheiten mit Klickpedalen

Nachdem wir nun festgestellt haben, dass es objektiv de facto keinen Grund gibt, an der Sicherheit von Klickpedalen zu zweifeln, komme ich nun zum eigentlichen „Problem“: das subjektive Unsicherheitsgefühl. 

Dieses unbehagliche Gefühl, das man allein bei der Vorstellung, Klickpedale zu verwenden, hat, kann von den Pedalherstellern nur schwer beeinflusst werden kann.

Speziell Fahrer, die frisch auf das Klicksystem umgestiegen sind, fühlen sich zunächst oftmals unsicher. Die feste Verbindung mit dem Fahrrad ist ungewohnt, und mit dem Ein- und Ausklicken kommen neue Elemente zum Fahren hinzu, welche Beachtung erfordern – insbesondere beim Anhalten. 

Die mitunter größte Angst von Klickpedal-Anfängern ist, an einer Kreuzung oder in der Hauseinfahrt zu halten und mit dem Fahrrad einfach umzufallen. Zugegeben, so ganz unbegründet ist diese Angst nicht, schließlich ist beinahe jedem schon ein derartiges kleines Hoppala zugestoßen. Aber keine Sorge: selbst, wenn man umkippt, führt das in der Regel zu keinen gröberen Verletzungen oder Schäden am Rad. 

Was ich versprechen kann: nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, denkst du gar nicht mehr über das Ein- und Ausklicken nach. Es wird zum Automatismus.

Hat man sich einmal an die Klickpedale gewöhnt, bieten sie eigentlich ein Sicherheitsplus. Durch die feste Verbindung zwischen Pedal und Fahrradschuh, ist ein Abrutschen von den Pedalen unmöglich, was besonders nützlich ist, wenn man im Stehen in die Pedale tritt – im Sprint oder bergauf etwa.

So wirst du die Angst, zu stürzen, los

Um das Fahren mit Klickpedalen zu genießen und das Sicherheitsplus tatsächlich zu verspüren, musst du die Angst, mit Klickpedalen zu stürzen, überwinden. Dazu gehört neben dem Üben der Ein- & Ausklickbewegung auch die optimale Konfiguration des Auslösehärte.

Ich habe ein paar Tipps für dich zusammengetragen, die dir dabei helfen!

Die richtige Auslösehärte einstellen

Alle Klickpedale bieten eine Möglichkeit, die Auslösehärte zu bestimmen und individuell anzupassen.

Unter der Auslösehärte versteht man die Kraft, die benötigt wird, um den Fuß in das bzw. aus dem Pedal zu bringen. 

LOOK-Klickpedale verwenden sogenannte Blades mit vorgegebener Auslösehärte. Möchte man diese verringern oder erhöhen, muss man sich neue Blades kaufen. Die Auslösehärte reicht, je nach Modell, von 8 bis 20 Nm. Mehr dazu in meinem Beitrag über die LOOK Kèo Blade Carbon Klickpedale.

Bei den Shimano SPD-SL-Pedalen (ein Klickpedalsystem speziell für Rennräder) gibt es zur Einstellung am unteren Ende der Oberseite eine kleine Sechskant-Schraube, die man anziehen oder eben lockern kann.

shimano rennradpedal ausloesehaerte
look keo blade carbon ausloesehaerte

Für den Beginn rate ich dir, die Auslösehärte relativ gering zu halten, damit du dich zunächst nur auf das Ein- und Ausklicken konzentrieren kannst.

Mit der Zeit kannst du die Auslösehärte langsam erhöhen, bis du die Einstellung gefunden hast, mit der du dich wohl fühlst. Zu deinem Erstaunen wirst du vielleicht feststellen, dass du eine „pickelharte“ Verbindung – so wie ich – bevorzugst. 

Falls du dennoch Bedenken hast, bei einem Sturz in voller Fahrt nicht auslösen zu können und dir dadurch – überspitzt ausgedrückt – die Beine zu brechen, kann ich dich beruhigen. Ich bin bei vielen Rennen zu Sturz gekommen und konnte meine Füße immer ausklicken, das, ohne darüber nachzudenken. Selbst bei einem Unfall, bei dem mich ein Auto angefahren hat, konnte ich noch rechtzeitig die Pedalplatten von den Klickpedalen lösen.

Die richtige Position für die Cleats finden

Mindestens genauso wichtig ist es, die richtige Position der Cleats auf der Sohle deiner Radschuhe zu finden. 

Mit der richtigen Einstellung ist nicht nur die bestmögliche Kraftübertragung garantier, sondern auch ein ökonomisches  Pedalieren.

Die richtige Position der Cleats ist auf der Höhe der Mittelfußknochen respektive des Fußballens auf der Pedalachse. 

Diese Position tastest du am besten am Schuh ab und markierst diese dann auf der Sohle, um anschließend die Cleats zu montieren.

Solltest du beim Radfahren generell schnell Knieschmerzen bekommen, lohnt es sich, mit dem horizontalen Winkel der Pedalplatten zu experimentieren, also dem Winkel, mit denen die Platten auf dem Schuh montiert sind.

Ich habe jedenfalls vor, zum Thema Einstellen der Pedalplatten einen eigenen Beitrag zu schreiben. Sobald dieser veröffentlicht ist, werde ich ihn natürlich hier verlinken.

Üben, üben, üben!

Bevor es mit den neuen Klickpedalen auf die Straße geht, solltest du das Ein- und Aussteigen üben. 

Das geht am besten im Garten, in der Wohnung, auf einer Parkfläche oder auf einer Wiese. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass du dabei stets etwas zum Festhalten hast.

Steige auf das Fahrrad, halte dich im Stand fest und trainiere, mit den Schuhen in die Pedale zu kommen und vor allem wieder auszuklicken. Dabei kannst du gerne mit der Auslösehärte experimentieren, sofern diese mit einer Stellschraube anpassbar ist. So bekommst du nämlich ein Gefühl dafür, wie sich unterschiedliche Einstellungen auswirken. 

Bei den ersten Ausfahrten empfiehlt es sich jedoch, mit geringer Auslösehärte zu fahren. Je routinierter du beim Fahren mit Klickpedalen wirst, desto höher kannst du auch die Auslösehärte einstellen.

Schaden Klickpedale den Kniegelenken?

Ein oft gehörtes Argument gegen Klickpedale ist, dass die feste Verbindung zwischen Fahrer und Pedal das Pedalieren schädlicher für den Körper macht. 

Gestützt werden derartige Behauptungen gerne mit der Behauptung, dass die Nutzung von Klickpedalen oft mit Knieschmerzen einhergeht.

Fakt ist: Wenn man beim Biken mit Klickpedalen regelmäßig Schmerzen im Knie hat, stimmt etwas nicht. Ein erster Ansatzpunkt kann ein Verändern der Sattelhöhe sein. Der Grund kann aber auch am Neigungswinkel des Sattels oder  der Pedalplatten auf den Radschuhen sein. Die perfekte schmerzfreie Position erzielt man nur durch häufiges Fahren und noch häufigeres Adjustieren des Fahrrades und seine Komponenten.

Außerdem kann man bei Rennradpedalen in der Regel zwischen Cleats mit unterschiedlichem Floating wählen. Dies bezeichnet die seitliche Bewegungsfreiheit, die du mit eingeklickten Schuhen innerhalb des Klickpedals hast. 

Ich bin durch eine schwere Knieverletzung zum Radsport gekommen. Von Anfang an verwende ich Shimano Rennradpedale mit gelben Cleats, welche ein Floating von erlauben. Die blauen Pedalplatten erlauben ein Spiel von . Mit den roten Cleats hast du keinerlei Floating in den Pedalen.

Fazit

Mit der Entscheidung für Klickpedale führt man im ersten Moment einen weiteren Unsicherheitsfaktor in das Setup ein. 

Der Umstieg fühlt sich anfangs umgewohnt an, und eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Fahrern kommt um den ein oder anderen kleinen „Hinfaller“ an Haltepunkten nicht herum.

Wenn du deine Klickpedale aber richtig eingestellt hast und dich durch Üben an sie gewöhnt bist, sind sie keineswegs gefährlich oder in irgendeiner Form unsicher. 

Im Gegenteil: durch die feste Verbindung zum Fahrrad gewinnt man viel Stabilität und damit Sicherheit hinzu, speziell in Passagen außerhalb des Sattels. 

Falls du also mit einem Umstieg auf Klickpedale liebäugelst, kannst du diesen bedenkenlos vollziehen. Das Fahren mit Klickpedalen ist definitiv nicht gefährlicher als das Fahren mit anderen Pedalsystemen.

Hast du schon Erfahrungen mit Klickpedalen gemacht? Wenn ja, welche Vorteile, findest du, bringen sie mit sich?

rennrad rennen mann
Alex
Nach einer schweren Knieverletzung habe ich die Begeisterung für den Rennradsport für mich entdeckt. In der Jugend habe ich an unzähligen Rennen im In- und Ausland teilgenommen. Das richtige Equipment war mir schon immer wichtig. weshalb ich mich schon lange damit beschäftige.

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