materialien fahrrad pedale

Aus welchem Material bestehen Fahrrad-Pedale?

Ich gebe zu, das Titelbild verwirrt auf den ersten Blick. Wenn du es aber in Kombination mit dem Beitragstitel ansiehst, wird einiges klarer. Hast du dich schon einmal gefragt, aus welchen Materialien deine Fahrrad-Pedale gefertigt sind und warum man genau auf diese Werkstoffe zurückgreift?

Hersteller von Fahrrad-Pedalen verwenden „gewöhnliche“ Materialien wie Stahl, Aluminium und Kunststoff, für High-End-Produkte Materialien wie Magnesium, Carbon und Titan. Da das Thema Umwelt – berechtigterweise – immer wichtiger wird, setzen bestimmte Hersteller sogar auf natürliche Materialien wie Holz oder auf rezyklierbaren Kunststoff.

In dem nun folgenden Artikel will ich dir helfen, dir einen Überblick über die verschiedenen Materialien zu verschaffen, die bei der Konstruktion von Pedalen zum Einsatz kommen.

So fing alles an

Über die Erfindung und Fortentwicklung der Fahrrad-Pedale habe ich bereits einen eigenen Artikel geschrieben, deshalb gibt es an dieser Stelle nur die Kurzfassung.

Die ersten Fahrräder waren eigentlich Laufräder. Sie hatten keine Pedale und wurden angetrieben, indem der Fahrer sich mit den Beinen am Boden abstieß. Von der Vorstellung des ersten Fahrrads im Jahr 1817 bis hin zur ersten Verwendung von Pedalen sollten immerhin 44 Jahre vergehen. 

Erstes Fahrrad der Welt Laufrad Draisine Laufmaschine
Fahrer auf einer Draisine

1861 war es dann soweit: Die beiden Franzosen Pierre Lallement und Pierre Michaux kamen auf die Idee, am Vorderrad des Fahrrads Tretkurbeln mit Pedalen anzubringen. Diese Pedale waren damals noch starr und nicht um die eigene Achse drehbar. Die ersten drehbaren Fahrrad-Pedale folgten dann 1863.

Die Materialwahl fiel damals auf Holz, was naheliegt, da es sich um einen gut verfügbaren Werkstoff handelte, der noch dazu relativ leicht verarbeitet werden konnte. Mit diesen Pedalen begann eine Entwicklung, die eine große Menge verschiedener Fahrrad-Pedale hervorbrachte.

Standard-Pedale aus Stahl, Aluminium & Kunststoff

Wenn du an dein erstes Fahrrad zurückdenkst, hatte dies vermutlich etwas klobigere Pedale aus Kunststoff mit Reflektoren montiert. Die Reflektoren waren bzw. sind auf jeden Fall ein Muss – warum, erfährst du im Beitrag über Vorschriften für Fahrrad-Pedale.

Jedenfalls waren die verbauten Fahrrad-Pedale vermutlich Blockpedale oder sogenannte Bärentatzen-Pedale. Während Blockpedale meistens aus einer Metall-Achse und zwei Kunststoff-Blöcken bestehen, kommt bei Bärentatzen-Pedalen in der Regel Stahl oder Aluminium zum Einsatz. 

Diese Materialien haben eins gemein: Sie sind günstig. Für „Standardfahrräder“ – also jene Räder, die von ambitionierten Radsportlern liebenswürdig, aber doch ein wenig abwertend als „Stadtschl#mpen“ bezeichnet werden. Wer so ein Rad kauft, der macht die Wahl der Pedale nicht gerade zu seiner Priorität. Hauptsache, sie sind da und erfüllen ihren Zweck.

Aus diesem Grund bestehen Standard-Pedale im Normalfall aus günstigem Aluminium, Stahl oder Kunststoff. Sie können relativ problemlos ersetzt, sobald sie defekt sind – eine Reparatur zahlt sich in den meisten Fällen nicht aus, da derlei Pedale nur wenige Euro kosten. 

Natürlich verzeihen Bärentatzen-Pedale aus Stahl oder Aluminium mehr „Umfaller“ und erlauben eine etwa gröbere Handhabe als klassische Blockpedale oder Plattform-Pedale aus Kunststoff.

Selbst High-End-Klickpedale benötigen Kunststoff & Stahl

High-End-Pedale, vor allem jene aus Carbon bzw. jene mit integrierter Wattmessung, werden aus entsprechend hochwertigen Materialien hergestellt, kommen sowohl im Rennrad- als auch im Mountainbike-Bereich nicht gänzlich ohne Kunststoff und Stahl aus. 

Kostengünstige Klickpedale und jene aus dem mittleren Preissegment sind häufig ebenso aus Stahl und Aluminium gefertigt, da das Preis-, Gewichts- & Leistungsverhältnis gut ist. Selbst oder vor allem bei teureren Pedalen aus Carbon, wie etwa die LOOK Kèo Blade Carbon kommen nicht ohne Kunststoff aus.

shimano pd 9000 carbon pedal spd sl
1

Kunststoff

2

Stahl

3

Carbon

4

Aluminium

Shimano PD-9000 SPD-SL [Neupreis rund 200€] (1 = Cleat-Spanner, 2 = Pedalachse, 3 = Pedalkörper, 4 = Kontaktfläche)

Die Achse der Pedale – falls du mehr über den Aufbau von Fahrrad-Pedalen wissen möchtest, ich habe bereits darüber geschrieben – wird regelmäßig aus mehreren verschiedenen Stahlarten hergestellt, während Aluminium und Kunststoff beim Pedalkörper zum Einsatz kommen. 

Die Aufnahme für die Cleats sowie die enthaltene Feder zum Einstellen des Mechanismus (beides auf dem Foto mit der Nummer 1 markiert) sind häufig aus Stahl. 

Typische kostengünstige Vertreter dieser Bauweise sind zum Beispiel die Shimano PD-M520 SPD Mountainbike-Pedale, die eine Stahlachse und einen Pedalkörper aus Aluminium haben. 

Auf dem Rennrad werden von Hobbyathleten (und mir) gerne die Shimano PD-R540 SPD-SL verbaut – die Kontaktfläche des Pedalkörpers ist mit Kunststoff überzogen, der Pedalkörper ist lackiert und aus Aluminium und die Pedalachse aus Stahl.

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Gummi gegen das Abrutschen vom Pedal

Neben den eben erwähnten Standard-Materialien, aus denen die Hauptbauteile der Pedale hergestellt werden, kommen auch noch andere Materialien zum Einsatz. Vor allem ist an dieser Stelle das Gummi zu nennen.

Gummi wird vor allem verwendet, um den Sohlen auf einem Pedal mehr Grip zu geben. So gibt es etwa viele Blockpedale oder Plattformpedale, die über eine Gummiauflage verfügen, um den Schuhen auf dem Pedal mehr Halt zu geben.

Die namensgebenden Riemen der Fahrrad-Pedale mit Riemen sind oft aus einer Gummi-Kunststoffmischung oder einem anderen Material, die den Fuß besser im Pedal hält. Klassische (alte) Riemen-Pedale haben einen Riemen aus echtem Leder – auch dieses sorgt für Grip über dem Rist des Fußes. 

Carbon, Magnesium & Verbundmaterial für das oberste Preissegment

Für Fahrer, die Wert auf Leistung und Gewicht legen, sind die Standard-Materialien für Fahrradpedale eher eine schlechte Wahl – das gilt insbesondere im Rennradsport, wo für Fanatiker wirklich jedes Gramm zählt. Hier sind schwere Pedale aus Stahl undenkbar. Stattdessen greift man lieber auf Carbon zurück. 

Dabei handelt es sich nicht um reine Kohlefaser, sondern im Normalfall um kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff, also ein Verbundmaterial. Dieser Werkstoff zeichnet sich nicht nur durch seine Leichtigkeit, sondern auch durch seine hervorragende Steifigkeit und Zugfestigkeit aus. 

Am Rennrad, wo es auf möglichst gute Kraftübertragung bei geringem Gewicht ankommt, sind Carbon-Pedale, wie zu Beginn des Beitrags abgebildet, die bevorzugte Wahl. Sie haben in der Regel zwar immer noch eine Achse aus Stahl, aber mit einem Pedalkörper aus Carbon lässt sich viel Gewicht sparen. 

LOOK bietet bei seinen Top-Modellen sogar Varianten mit einer Titan-Achse an, was den Preis nach oben schiebt, das Gewicht hingegen nach unten drückt.

Ein Beispiel für hochwertige Carbon-Pedale für das Rennrad sind die LOOK Kèo Blade Carbon, die ich kürzlich vorgestellt habe. Der Pedalkörper, wie auch die Feder, welche die Auslösehärte bestimmt, sind aus Carbon – eine Neuheit, die die Rennradpedale noch leichter macht, da man auf Federn au Stahl bzw. Aluminium verzichten kann. Der Nachteil daran ist, dass man die Auslösehärte nicht individuell mit einem Sechskantschlüssel anpassen kann, sondern die Blades mit vordefinierter Auslösehärte kaufen und austauschen muss.

Im Mountainbike-Bereich kommt es dagegen oft nicht darauf an, ob ein Bike jetzt 100 Gramm schwerer oder leichter ist. Aus diesem Grund sind auch High-End-Mountainbike-Pedale häufig aus Stahl und/oder aus Aluminium. Aber natürlich kann man auch hier auf Carbon zurückgreifen, zum Beispiel bei den Time ATAC XC 8 Carbon MTB Pedalen.

Eine Besonderheit im MTB-Bereich stellen außerdem Pedale aus Magnesium dar. Diese vereinen eine hohe Festigkeit mit einem relativ niedrigem Gewicht. Magnesium kommt auch bei einigen Pin-Pedalen zum Einsatz, so etwa bei den DMR V12 Pin-Pedalen aus Magnesium.

Die Exoten aus Holz, Reis & rezykliertem Kunststoff

Zugegeben, Fahrrad-Pedale aus Holz sind eher ein „back to the roots“ als eine rare Besonderheit, da in den Anfängen der Pedal-Entwicklung Holz das Grundmaterial war. Dennoch sind sie heutzutage eher die Ausnahme als die Regel.

Wer auf einen bestimmten Look für sein Bike setzt oder einfach die Ästhetik von Holz mag, der wird auch hier fündig. Es gibt diverse kleine Manufakturen, die Pedale aus Holz anbieten. In der Regel handelt es sich dabei um klassische Blockpedale, aber auch Plattformpedale aus Holz gibt es, so etwa die von MOTO Bicycles. Durch das geringe Gewicht von Holz und die hohe Festigkeit, müssen sich Pedale aus Holz nicht verstecken – sie bleiben aber dennoch eine Randerscheinung.

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Wirklich exotisch wird es aber bei Pedalen aus Reis. 

Okay, natürlich nicht vollkommen aus Reis, aber das Unternehmen RideNat bietet Plattformpedale, welche aus einem Biokunststoff gefertigt werden. Dieser besteht zu 70 Prozent aus als Abfall angefallenen Reisschalen und zu 30 Prozent aus wiederverwertetem Plastik.

Wie du gleich sehen wirst, kosten diese upgecycleten Plattformpedale keine 20€, was im Vergleich zu anderen qualitativen Plattformpedalen nicht mehr ist. Du kannst mit diesen Pedalen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: du schonst 1. die Umwelt und gibst 2. nicht (wesentlich) mehr aus als für gewöhnliche, nicht aus rezyklierten Materialien hergestellten Plattformpedale aus. 

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Ausblick: Fahrrad-Pedale aus Graphen

Im Radrennsport geht momentan im Grunde nichts an Carbon und Titan als absolute High-End-Materialien vorbei. 

Die Carbon-Verbundwerkstoffe sind leicht, außergewöhnlich fest und mit den entsprechenden Maschinen einfach zu verarbeiten. 

Allerdings heißt das nicht, dass man da nicht noch einen drauf setzen kann. Konkret wäre meiner Meinung nach der Wunder-Werkstoff Graphen eigentlich ideal für Fahrrad-Bauteile geeignet. Graphen (Betonung auf dem E) ist sehr leicht und kann aufgrund seiner außergewöhnlichen Festigkeit sehr dünn verbaut werden. Er stellt eine zweidimensionale Modifikation des Kohlenstoffs dar, was seinen Verwandten, das Carbon, nicht nur in Sachen Festigkeit weit hinter sich lassen würde, sondern auch wesentlich leichter wäre

Bis jetzt, zumindest offiziell, gibt es aber noch keine Methode, um Graphen in industriell verwertbaren Mengen herzustellen, ohne dass dafür die Kosten ausufern. Ähnliches gilt für die Verarbeitung. Beides könnte sich aber in Zukunft ändern, sodass wir in ein paar Jahren vielleicht in den Genuss ultraleichter High-Tech-Graphen-Pedale kommen könnten und Carbon von der Bettkante stoßen. 

Ich bin gespannt, wie die Entwicklung weitergeht.

Welche Fahrrad-Pedale verwendest du und aus welchem Material sind diese gefertigt?

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